Autor: Timo Kaschel | Chiropractor, Chiropractic Leipzig Veröffentlicht: 18.08.2023; aktualisiert 22.02.2026
Jede dritte Person über 65 stürzt mindestens einmal pro Jahr. Bei den über 80-Jährigen ist es jeder Zweite. Jährlich werden in Deutschland mehr als 400.000 ältere Menschen nach einem Sturz im Krankenhaus behandelt – viele davon mit Oberschenkelhalsbruch, der schlimmsten Sturzfolge überhaupt.
Warum ist der Oberschenkelhalsbruch so schlimm?
Wer sich den Oberschenkelhals bricht, stirbt je nach Studie in 15 bis 36 Prozent der Fälle innerhalb des folgenden Jahres – bis zu ein Drittel der Betroffenen überlebt das erste Jahr nicht. Die komplette Unterbrechung von Alltag und Bewegung, kombiniert mit starken Schmerzmedikamenten, belastet Darm, Lunge und weitere Körpersysteme schwer. Wer überlebt, hat oft dauerhaft eingeschränkte Lebensqualität – nur 40 bis 60 Prozent der Betroffenen erreichen wieder das Mobilitätsniveau von vor dem Bruch.
Stürze sind kein Pech. Sie sind vermeidbar. Aber nicht auf die Art, wie es meistens empfohlen wird.
Was die Standardliste zur Sturzprophylaxe vergisst
In einem aktuellen Magazin der BGW (Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege) ist Sturzprävention am Arbeitsplatz ein Titelthema. Die Statistiken sind aufschlussreich:
- 37 Prozent aller Verletzungen betreffen Knöchel und Fuß
- 23 Prozent Kniegelenk und Unterschenkel
- 18 Prozent aller Verletzungen sind Knochenbrüche
- 37 Prozent Zerrungen, Verstauchungen und Verrenkungen.
Die Empfehlungen der BGW zur Sturzprävention klingen vernünftig:
- Achtgeben
- keine Eile
- gute Beleuchtung
- Ordnung
- saubere Böden
- sicheres Schuhwerk.
Alles richtig. Und trotzdem fehlt das Entscheidende.
Diese Liste beschreibt die Umgebung. Aber sie beschreibt nicht den Menschen, der in dieser Umgebung läuft, steht und reagiert. Kein einziger Punkt adressiert die körperlichen Voraussetzungen der stürzenden Person.
Das ist wie bei der alten Trivial-Pursuit-Frage: „Was braucht man, um Stereo zu hören?" Die meisten antworten: Lautsprecher, Verstärker, Kopfhörer. Die Antwort auf der Rückseite der Karte: „Zwei funktionierende Ohren."
Genauso bei Stürzen: Bevor irgendeine Umgebungsmaßnahme greift, braucht es einen Körper, der auf unvorhergesehene Situationen reagieren kann.Was das konkret bedeutet:
- Balance und Gleichgewichtssinn
- Die Fähigkeit, Körperschwankungen blitzschnell auszugleichen. Sie nimmt ab dem 60. Lebensjahr messbar ab, lässt sich aber trainieren.
- Muskelkraft
- Besonders in Beinen, Hüfte und Rumpf. Wer beim Stolpern nicht mehr genug Kraft hat, um sich abzufangen, fällt.
- Koordination und Reaktionsvermögen
- Gehirn und Muskeln müssen schnell und präzise zusammenarbeiten. Auch das verkümmert ohne Training.Beweglichkeit – Wer steif ist, kann auf eine unsichere Situation nicht flexibel reagieren.
- Medikamentencheck
- Viele gängige Medikamente erzeugen Schwindel oder reduzieren das Reaktionsvermögen. Das wird bei der Sturzprävention erschreckend selten thematisiert. Sprich' Deinen Arzt oder Apotheker an ob hier etwas optimiert werden kann.
- Fallschule
- Wer weiß, wie man richtig fällt, verletzt sich deutlich weniger. Das lernst Du nicht durch Vorsicht, sondern durch Übung.
- Diabetesmanagement
- Absterbende Nerven durch schlecht eingestellten Blutzucker rauben dem Fuß sein Gefühl – und damit die Grundlage für sicheres Stehen und Gehen.
Warum das aktuelle Behandlungsprotokoll bei Verletzungen zu passiv ist
Auch nach einem tatsächlichen Sturz wird aus meiner Sicht zu oft falsch reagiert. Das alte R.I.C.E.-Protokoll (Rest, Ice, Compression, Elevation) empfiehlt vor allem Schonung. Neuere Forschung rät dagegen zu P.E.A.C.E. & L.O.V.E. – einem Ansatz, der Optimismus, frühe Bewegung und Belastung in den Mittelpunkt stellt.
Zu lange schonen schwächt die Muskulatur genau dann, wenn sie am dringendsten gebraucht wird. Frühzeitige, kontrollierte Mobilisierung ist bei Zerrungen, Verstauchungen und Prellungen in fast allen Fällen die bessere Wahl.
Was CHIROPRACTIC LEIPZIG zur Sturzprophylaxe beiträgt
Der Körper stürzt nicht, weil die Umgebung gefährlich ist. Er stürzt, weil er in einem unsicheren Moment nicht schnell genug reagieren konnte.
Chiropraktische Behandlung adressiert genau diesen Punkt: Schmerzen, Schonhaltungen und Gelenkblockaden reduzieren die Qualität der Körperwahrnehmung – das sogenannte propriozeptive Feedback. Ein Körper, der sich selbst nicht gut wahrnimmt, kann sich in einer instabilen Situation nicht zuverlässig stabilisieren.
Durch gezielte Adjustments werden Blockaden gelöst, der Bewegungsumfang vergrößert und das Nervensystem entlastet. Das Ergebnis: Muskeln entspannen sich, der Körper nimmt seine Umgebung präziser wahr – und reagiert schneller.
In unserer Praxis in Leipzig verbinden wir Behandlung mit konkreter Bewegungsberatung: Welche Übungen stärken Balance und Koordination? Was sollte verändert werden, damit der Körper wieder sicher reagieren kann?
Häufige Fragen zur Sturzprophylaxe (FAQ)
- Ab wann sollte ich mich ernsthaft mit Sturzprävention beschäftigen?
- JETZT! Aber spätestens sobald Du oder jemand in Deinem Umfeld über 60 ist, regelmäßig Medikamente nimmt, nach einer Verletzung oder Erkrankung weniger aktiv war – oder bereits einmal gestürzt ist. Ein erster Sturz ist statistisch der stärkste Vorhersagefaktor für weitere Stürze.
- Welche Übungen helfen am meisten gegen Sturz?
- Kombination aus Balance-Training (z.B. Einbeinstand), Kraft in Beinen und Rumpf (z.B. Kniebeuge, Aufstehen vom Stuhl ohne Hände) und Reaktionsübungen. Wichtig ist Regelmäßigkeit – am besten tägliche Übungen. Wenige Minuten reichen.
- Kann Chiropraktik wirklich Stürze verhindern?
- Chiropraktik verbessert häufig die Qualität der Körperwahrnehmung, löst Blockaden, die Beweglichkeit und Reaktionsfähigkeit einschränken, und reduziert Schmerzen, die zur Schonhaltung führen. All das sind wichtige Voraussetzungen für sicheres Gehen und Stehen.
- Was ist der Unterschied zwischen Sturzprophylaxe und Sturzprävention?
- Die Begriffe werden meist synonym verwendet. Sturzprophylaxe ist der ältere, eher pflegerische Begriff; Sturzprävention der modernere, der auch aktivere Körpertraining-Ansätze einschließt. Inhaltlich überschneiden sie sich vollständig.
- Was tun nach einem Sturz?
- Nicht zu lange schonen. Moderne Protokolle empfehlen frühe Bewegung, sobald kein Knochenbruch vorliegt. Wenn Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen länger als einige Tage anhalten, chiropraktische oder physiotherapeutische Abklärung. Wer nach einem Sturz Angst vor dem nächsten entwickelt, bewegt sich weniger – und erhöht damit das Risiko.
- Zum Chiropraktiker oder zum Chiropraktor?
- Auf jeden Fall zum Chiropraktor! Chiropraktoren sind ausgebildet um Röntgenbilder zu lesen und die gesamte Krankengeschichte zu analysieren. So helfen und unterstützen Chiropraktoren bei der gesamten Therapieplanung.
Dein nächster Schritt für mehr Stabilität
Wenn Du in Leipzig Unterstützung bei Balance, Kraft, Koordination oder nach einer Verletzung suchst – oder einen Angehörigen hast, der zunehmend unsicher auf den Beinen ist: Wir schauen uns Deinen Bewegungsapparat ganzheitlich an.
Konkrete Übungen für stabile Füße, Becken und Schultergürtel findest Du auch auf meinem YouTube Kanal.
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