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Was ein Formel 1 Auto mit Deinem Lauf zu tun hat

23.03.2026

Was die Biomechanik des Laufens wirklich bedeutet — und warum der Profi-Marathon-Läufer das falscheste Vorbild der Welt ist.

Stell dir vor, du fährst mit deinem VW Golf auf die Formel-1-Strecke in Spa-Francorchamps. Du schaust dir an, wie ein Ferrari-Pilot durch die Eau Rouge fährt — Linie, Bremspunkt, Gasannahme — und versuchst dasselbe.

Das wäre nicht mutig. Das wäre gefährlich und sinnlos. Der Ferrari ist für diese Strecke gebaut. Sein Fahrwerk, sein Schwerpunkt, seine Aerodynamik — alles optimiert für Bedingungen, die mit deinem Alltag nichts zu tun haben.

Genauso verhält es sich mit Lauftechnik-Ratschlägen, die sich an Profi-Marathon-Läufern orientieren.

Der Körper eines Elite-Läufers ist kein Vorbild. Er ist ein Sonderfall.

Ein kenianischer Marathonläufer, der mit 20 Kilometer pro Stunde über 42 Kilometer läuft, (anders gesagt, 17 Sekunden auf 100 Meter für 2 Stunden!) hat einen Körper, der über Jahrzehnte für genau das selektiert, trainiert und adaptiert wurde. Langer, schmaler Unterschenkel. Geringes Körpergewicht. Hohe Sehnenelastizität. Außergewöhnliche mitochondriale Dichte. Und — entscheidend — eine Anatomie, die biomechanisch für hochfrequentes, effizientes Laufen gebaut ist.

Diese Anatomie hast du nicht. Nicht weil du schlechter bist, sondern weil du ein anderer Mensch mit anderen Hebeln, anderen Proportionen und einem anderen Bewegungsleben bist.

Tom Michaud beschreibt in seinem Standardwerk zur verletzungsfreien Laufbiomechanik präzise, was passiert, wenn Läufer universelle Technikvorgaben auf individuelle Körper anwenden: Die Verletzungsraten steigen. Nicht weil die Menschen falsch laufen — sondern weil sie versuchen, richtig zu laufen nach einer Vorlage, die nicht für sie gemacht wurde.

Die Anatomie entscheidet — nicht der Wille

Michauds zentraler Beitrag ist die Erkenntnis, dass Laufverletzungen in den meisten Fällen keine Trainings- sondern Strukturfehler sind. Nicht im Sinne von Defekten — sondern im Sinne von Inkompatibilitäten zwischen individuellem Körperbau und aufgezwungenen Bewegungsmustern.

Drei Beispiele:

  • Der Fuß.
    • Die Form des Fußgewölbes, die Beweglichkeit im Sprunggelenk, die Länge der Metatarsalknochen — all das beeinflusst, wie der Fuß beim Laufen abrollt und Kraft überträgt. Ein hoher Rist rollt anders ab als ein flacher Fuß. Ein eingeschränktes Sprunggelenk kompensiert anders als ein hypermobiles. Es gibt kein universell richtiges Abrollmuster — es gibt das Muster, das zu deinem Fuß passt.
  • Die Hüfte.
    • Die Anteversion des Oberschenkelknochens — also der Winkel, in dem der Hüftkopf im Becken sitzt — variiert erheblich zwischen Menschen. Wer mit nach innen zeigenden Füßen läuft, tut das oft nicht aus mangelnder Körperspannung, sondern weil seine Hüftanatomie genau das vorgibt. Den Fuß mit Kraft nach außen zu drehen bedeutet, gegen die eigene Skelettgeometrie zu arbeiten. Das kostet Energie. Und produziert Schmerz.
  • Die Beinlänge und Hebelverhältnisse.
    • Lange Unterschenkel vergrößern den Hebelarm bei der Bodenabstoßung — das verändert die optimale Schrittfrequenz. Kurze, muskulöse Läufer laufen effizient mit anderer Kadenz als lange, schlanke. Die Technik-Empfehlung „180 Schritte pro Minute" ist ein Durchschnittswert — kein Gesetz.

Was das für Dich bedeutet: Weg vom Ideal, hin zum Signal Deines Körpers

Das klingt nach einer Absage an jeden Anspruch. Ist es nicht.

Es ist eine Einladung, den Fokus zu verschieben: weg vom externen Ideal, hin zum internen Signal.

Dein Körper produziert beim Laufen ständig Feedback. Spannungen, Ermüdungsmuster, Schmerzsignale, das Gefühl von Leichtigkeit oder Schwere — das ist keine Hintergrundinformation. Das ist die eigentliche Datenquelle. Wer lernt, diese Signale zu lesen, entwickelt etwas, das kein Technik-Kurs je vermitteln kann: ein körpereigenes Laufverständnis.

Das bedeutet konkret: Wenn eine Stelle immer wieder zieht, ist das kein Zeichen, dass du mehr dehnen sollst. Es ist ein Hinweis, dass irgendwo im System eine Kompensation läuft. Vielleicht ein eingeschränktes Gelenk, das die Last weitergibt. Vielleicht eine Muskelgruppe, die für eine andere einspringt, weil diese nicht aktiviert wird.

Wenn das Laufen schwer und mühsam bleibt, obwohl du regelmäßig trainierst, ist das kein Charakter-Problem. Es ist eine biomechanische Frage, die eine biomechanische Antwort braucht — individuell, nicht nach Schema.

Zurück zum Auto. Der Golf fährt auch. Nur anders.

Ein Golf ist kein schlechtes Fahrzeug, weil er kein Formel-1-Wagen ist. Er ist ein anderes Fahrzeug, für andere Bedingungen, mit anderen Stärken. Er fährt zuverlässig, effizient und über eine Lebensdauer, die jeden Rennwagen übertrifft.

Dein Körper ist ähnlich. Er ist nicht das biomechanische Ideal des Elite-Läufers. Er muss es nicht sein. Er hat seine eigene Geometrie, seine eigenen Stärken, sein eigenes optimales Bewegungsmuster — das er selbst kennt, wenn man ihn lässt.

Die Aufgabe ist nicht, ihn in einen Rennwagen zu verwandeln. Die Aufgabe ist, ihn gut zu fahren. Sein eigenes Fahrzeug zu kennen. Zu wissen, wo die Grenzen sind, wo die Reserven liegen, und was er braucht, um lange, zuverlässig und ohne größere Ausfälle zu laufen. Das ist kein bescheidenes Ziel. Das ist das richtige.

Wenn du das Gefühl hast, dass dein Laufen nicht zu dir passt — dass irgendetwas immer wieder hakt, zieht oder nicht funktioniert wie erwartet — dann ist das kein Trainingsproblem. Es ist ein Verständnisproblem. Und das lässt sich lösen.

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